280 Jahre Evangelische Kirche Dirmingen – Wahrzeichen, Kulturgut und Teil der Dirminger Identität

Die Evangelische Kirche in Dirmingen blickt auf eine fast 900-jährige Geschichte zurück. Nachweislich befand sich bereits im 12. Jahrhundert eine Kirche in der Ortsmitte. Der Kirchturm der heutigen evangelischen Kirche stammt nachweislich aus dem 12. Jahrhundert und dient als Zeitzeuge. Der über Jahrhunderte erhaltene Kirchturm gilt als ältester noch bestehender Bau in Dirmingen. Das heutige Kirchengebäude, wie wir es kennen, wurde vor 280 Jahren erbaut. Im Jahr 1746 wurde, nach Plänen des berühmten Baumeisters Friedrich Joachim Stengel, die neue Kirche eingeweiht. Finanziert wurde der Neubau durch die Fürsten von Nassau-Saarbrücken. Die Fürsten wollten mit dem Neubau verschiedener Kirchen im Saargebiet den aufkommenden Protestantismus vorantreiben.

Die Geschichte der heutigen evangelischen Kirche reicht wesentlich weiter zurück ins frühe Mittelalter. Der Vorgängerbau der heutigen Kirche wurde vermutlich von Mönchen des Zisterzienserordens errichtet. Über Jahrhunderte war die Kirche ein zentraler Ort des religiösen und gesellschaftlichen Lebens unseres Dorfes. Bis zur Reformation im Jahr 1575 war die Kirche katholisch. Danach wurde der Kirchenbau im Zuge der Reformation evangelisch. Damit steht die Kirche zugleich für die tief verwurzelten protestantischen Traditionen Dirmingens. Im 18. und 19. Jahrhundert waren rund 90 Prozent der Bevölkerung Dirmingens Protestanten. Erst im 20. Jahrhundert nahm der Anteil der katholischen Bevölkerung stärker zu; schließlich entstand die katholische Kirche auf dem Rotenberg.

Im 18. Jahrhundert wurde der damalige Kirchenbau polizeilich als baufällig eingestuft. Die Kirche musste gesperrt werden. Das Kirchenschiff wurde abgetragen, während der alte Turm erhalten blieb. An diesen Turm wurde die neue, heutige Kirche angebaut, die schließlich 1746 eingeweiht werden konnte. Jedes Jahr im Oktober Gedenken die Einheimischen, an ihrer Kirmes der Einweihung der evangelischen Kirche in der Ortsmitte. Aufgrund der Tatsache, dass auch das Patrozinium der katholischen Kirche in den Oktober fällt, feiern heute katholische und evangelische Christen zeitgleich Kirmes. Wenn wir die Kirche betreten, erleben wir eine individuelle Zeitreise vom frühen Mittelalter über das Barocke bis hin in die moderne Zeit. Einen letzten Anbau mit Chorempore und Sakristei wurde im Jahre 1936 vollzogen. Bis dahin war der Altarraum der Kirche mit Altar, Kanzel und Orgel typisch lutherisch aufgebaut.

Aus unserer Dorfchronik geht hervor, dass der Vorbau der heutigen Kirche der heiligen Katharina gewidmet wurde. Nachweislich wurden während Sanierungsarbeiten die Skizzierungen eines Katharinenkreuzes sichtbar. Im Mittelalter war es üblich Märtyrerzeichen in den Kirchenbau einzuarbeiten. Heute ist die Evangelische Kirche weit mehr als ein Gotteshaus. Gemeinsam mit der katholischen Kirche auf dem Rotenberg gehört die Stengelkirche zu den ortsbildprägenden Wahrzeichen Dirmingens. Sie steht mitten im Ortskern und prägt das Bild unseres Dorfes. Ihre Bedeutung reicht dabei über die Grenzen der christlichen Gemeinden hinaus. Auch für Menschen, die nicht gläubig oder nicht Mitglied einer Kirche sind, ist sie ein Stück Heimat und ein vertrauter Bestandteil der Dirminger Ortsansicht.

Genau aus diesem Grunde lohnt es sich, über die Zukunft dieses historischen Bauwerks nachzudenken. Die Zahl der Christen nimmt ab, immer mehr Menschen treten aus den Kirchen aus, und vielerorts werden Kirchengebäude geschlossen oder aufgegeben. Damit stellt sich auch in Dirmingen die Frage, wie wir mit unserem kirchlichen und kulturellen Erbe umgehen wollen. Eine Kirche ist schließlich nicht nur ein Ort des Gottesdienstes. Ein historischer Kirchenbau ist Kulturgut. Er erzählt von den Menschen, die vor uns hier gelebt haben, von ihren Überzeugungen, ihrer Geschichte und ihrer Verbundenheit mit dem Ort. Der alte Turm erinnert an eine Zeit, die fast tausend Jahre zurückliegt. Die Stengelkirche erzählt von den protestantischen Wurzeln Dirmingens und von einer Entwicklung, die unser Dorf bis heute geprägt hat.

In einer Zeit, in der immer mehr Menschen ihre christliche Kultur und die damit verbundene Geschichte vergessen, kann das 280-jährige Bestehen der Evangelischen Kirche Dirmingen ein Anlass sein, sich dieser Wurzeln wieder bewusst zu werden. Die Kirche ist Teil unserer Ortsgeschichte und ein Bestandteil der Identität Dirmingens. Deshalb sollte uns die Zukunft dieses Bauwerks beschäftigen – unabhängig davon, ob wir selbst regelmäßig eine Kirche besuchen oder einer Religionsgemeinschaft angehören. Dass sich Menschen auch heute für die Sanierung und den Erhalt der Kirche interessieren, zeigt, dass dieses Gebäude den Dirmingern etwas bedeutet. Fakt ist: Eine Sanierung der Kirche muss unbedingt ins Augenmerk gefasst werden.

In der Zeit vom 25. bis 27. Oktober 2026 feiern wir die Kirchweihe der evangelischen Kirche in der Ortsmitte. Die ist diesem Jahr 280. „Derminga Kerb“ ist heute ein Dorffest für alle Generationen und Religionen. Wir sollten die diesjährige „Kerb“ auch dazu nutzen um über unsere kirchlichen Gebäuden und die damit verbundene Identifikation nachzudenken. Das gilt für beide Konfessionen und ihre Gemeindemitglieder. Unsere beiden Kirchen prägen das Ortsbild Dirmingens. Wir wird das in entfernter Zukunft aussehen ? Gelingt es uns die Kirche im Dorf zu lassen ?

280 Jahre Evangelische Kirche Dirmingen sind nicht nur ein kirchliches Jubiläum. Sie sind ein Stück Dirminger Geschichte. Der mittelalterliche Turm und die von Friedrich Joachim Stengel errichtete Kirche verbinden Vergangenheit und Gegenwart. Sie erinnern uns daran, woher unser Dorf kommt – und geben uns zugleich die Verantwortung, darüber nachzudenken, was von diesem Erbe auch für kommende Generationen erhalten bleiben soll.

Die Evangelische Kirche Dirmingen ist damit nicht nur ein Gotteshaus. Sie ist Wahrzeichen, Kulturgut, Geschichtsspeicher und ein Stück Heimat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert