Mit mehr Emphatie geht’s leichter durch das Leben !

Wir leben in einer Zeit, in der Empathie und Verständnis immer mehr verloren zu zu gehen scheinen. Offensichtlich gibt es nur noch zwei Lager: dafür oder dagegen, wir gegen die anderen. Differenzierte Meinungen haben es schwer, und der Raum für Vernunft und gegenseitigen Respekt wird zusehends kleiner. Wir neigen dazu alles zu politisieren und schlecht zu reden. Immer tragen die anderen die Schuld. Wo man hinsieht Egoismus, Empathielosigkeit, Wut und Hass. Es ist kein Geheimnis, dass ich ein großer Befürworter der sozialen Medien bin, oder war?!? Ich finde die Idee über soziale Netzwerke zu kommunizieren großartig. Das Netz bietet neue Möglichkeiten und einen großen Facettenreichtum. Leider kann nicht jeder mit seiner Macht an der Tastatur umgehen. Statt miteinander zu reden, wird übereinander geurteilt. In den sozialen Medien begegnen sich Menschen häufig mit Hass, Beleidigungen und Wut, anstatt zuzuhören und unterschiedliche Sichtweisen auszuhalten. Diese Entwicklung beschränkt sich nicht nur auf das Internet. Auch Politikerinnen und Politiker werden immer häufiger zur Zielscheibe von Anfeindungen. Dabei sind auch Kommunalpolitiker, die sich oft ehrenamtlich oder mit großem persönlichem Einsatz für ihre Gemeinden engagieren, längst nicht mehr geschützt.

Ein aktuelles Beispiel finde wir im Landkreis Neunkirchen. Genau vor unserer Haustür wird ein Kommunalpolitiker mit seinem Leben bedroht. Wenn es um das Leben und die Sicherheit von Menschen geht, darf die politische Herkunft keine Rolle spielen. Dabei bietet gerade die sozialen Medien eine große Plattform, um menschenverachtende News zu verbreiten. „Wer hat uns verraten? – Sozialdemokraten“. Woher kommt dieser verächtliche Spruch? Der Ausruf ist mittlerweile auch bei linken Demonstrationen zu hören. Der Ausruf säät Hass, Verachtung und Wut. Geprägt wurden diese verächtlichen Zeilen bereits im Kaiserreich, von rechten Antidemokraten. Sollten wir das alles nicht so überbewerten? Wird tatsächlich nichts zu heißt gegessen wie gekocht? Wird sich Geschichte wirklich niemals wiederholen?

Ein Mitglied aus meiner Familie wurde aufgrund seiner politischen Gesinnung in ein KZ gesteckt und getötet. Meine Familie hat insgesamt fünf Menschen während der Nazis- Zeit verloren. Wir alle müssen unsere Opfer bringen für das Vaterland. Stimmt das? Während die einen Zuhause vor dem Fernseher sitzen und blind vor Wut auf die Tastatur hämmern, übernehmen andere Verantwortung und lassen sich verprügeln. Gleichzeitig erleben wir mehr Fremdenfeindlichkeit, Menschenfeindlichkeit und eine zunehmende Spaltung der Gesellschaft. Viele denken zuerst an sich selbst, während Gemeinschaftssinn und ehrenamtliches Engagement an Bedeutung zu verlieren scheinen. Extremistische Positionen – von rechts wie von links – gewinnen Aufmerksamkeit und verschärfen die gesellschaftlichen Gräben. Vandalismus und Gewalt werden mancherorts als Ausdruck von Wut oder Protest eingesetzt, obwohl sie keine Probleme lösen.

„Aber ich darf doch wohl noch meine Meinung sagen, immerhin ist das mein Land und ich bin hier geboren und will keine Fremde“…“ Gott sei Dank haben wir das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung. Dabei ist es am Ende reine Glückssache, wo und wann man geboren wird. Die eigene Geburt ist kein Recht oder Verdienst, dass einem in die Wiege gelegt wird.  Wenn ich schon mit „meinem Land“ prahle, sollte ich auch dafür sorgen, dass es den Menschen in diesem Land gutgeht. Bleibt die Frage, ob wir noch bereit sind andere Meinungen zu akzeptieren? Wir sind auf dem besten Wege alle Fronten verhärten zu lassen.

Es macht mittlerweile keinen Sinn mehr seine Meinung auf Facebook oder Instagramm zu äußern. Von überall kommen Menschen her, die es besser wissen, belehrend sind oder Hass schüren. Wenn man sich die Profile einmal genauer anschaut, blickt man auf die Seele der Verfasser. Ganz oft hat man es mit Fake-Profilen zu tun. Andere wiederum meinen es bestimmt gut, wobei sie ganz oft den falschen Ton wählen und somit wiederum für Unruhe sorgen. Es fehlt hinten und vorne an Respekt und Empathie. Wenn man nicht aufpasst, wird man in eine Schublade gesteckt, in die man eigentlich überhaupt nicht hingehört.

Die Enttäuschung über die Politik wächst zusehends. Manche Menschen wählen aus Protest oder Frust Parteien wie die AfD, NPD oder auch extreme Linke Parteien, weil sie sich von den etablierten Parteien nicht mehr vertreten fühlen. Diese Unzufriedenheit sollte ernst genommen werden. Gleichzeitig braucht eine demokratische Gesellschaft den respektvollen Austausch, die Bereitschaft zum Zuhören und die Anerkennung unterschiedlicher Meinungen. Demokratie lebt davon, Konflikte mit Argumenten, statt mit Hass auszutragen. Wir müssen auch lernen die Stimme der AFD auszuhalten, um mit ihnen in einen Diskurs zu treten. Wir erleben eine landesweite politische Depression. Natürlich kann man diesem Zustand nur mit guter Politik begegnen. Zugegebenermaßen sehe ich aktuell in allen Parteien nur wenige gute Politikerinnen und Politiker.

Bleibt die Frage, wie wir damit umgehen? Lassen wir uns gehen und verlieren wir uns in Hetze, Gewalt und Respektlosigkeit oder gehen wir aufeinander zu und lernen uns besser kennen. „Wer hat uns verraten? – Sozialdemokraten“ Dieser Verratsvorwurf kam im Jahr 1871 aus der rechten Szene und breitete sich schnell bis in die bürgerliche Mitte aus. Sozialdemokrat*innen galten über die schändlichen Sozialistengesetze (1878–1890) hinaus als pestverdächtige Brunnenvergifter*innen des deutschen Wesens, als vaterlandslose Gesell*innen, gar als „Landesverräter“. Unter diesen Anschuldigungen wurden Arbeiter*innen auf die Straße gesetzt, Sozialdemokrat*innen des Ortes verwiesen oder ins Gefängnis gesteckt. Genau mit solchen Thesen werfen wir heute wieder um uns. Ist das alles nicht so dramatisch?

„Und viele sagen immer noch, dass wird sich niemals wiederholen, aber seht ihr denn nicht an den Häuserwänden die selben alten, neuen Parolen ?“ (Liedzeile: Udo Lindenberg) Sind wir wirklich so blind ? Mit viel Phantasie werden Parallelen zur Weimarer Republik deutlich. Ist das jetzt wirklich so weit hergeholt ? Ein Blick in die Geschichte wird so manchen Zeitgenossen erschaudern lassen.

Ich sehe in dem Ausruf „Wer hat uns verraten? -Sozialdemokraten“ und dem aufflammenden Hass und der Abneigung gegen eine deutsche Partei schon gewisse Ähnlichkeiten zu den Geschehnissen im Kaiserreich. Diese Hetzte ist unbeschreiblich und brandgefährlich. Woher finden wir noch Menschen, die sich freiwillige für ein Mandat im Orts- Gemeinde,- Landes- oder Bundespolitik aufstellen lassen? Immerhin hat jeder Mensch in Deutschland die Möglichkeit eine Partei zu gründen und sich zur Wahl zu stellen.Genauso hat jeder Mensch die Möglichkeit ein Ehrenamt zu betreiben und es besser zu machen. Die Tendenz geht leider in Richtung Wohnzimmer und Tastatur. Wenn euch irgendeine Partei nicht gefällt, wählt einfach eine andere. Aber, macht euch um Gottes Willen vor schlau und wehret den Anfängen.

Es darf nicht sein, dass Politiker um ihre Gesundheit fürchten müssen. Ich persönlich habe auch schon viele böse Nachrichten erhalten. Ich wurde beschimpft, falsch zitiert und sogar schonmal bedroht. Halbwahrheiten und Lügen werden heutzutage wie warme Semmeln verbreitet. Wem kann man noch glauben, wer meint es ernst und wer trägt sein Herz wirklich auf der Zunge? Bist du nicht für mich, bist du dagegen. Wir alle stehen mit dem Rücken an der Wand. Unsere Gesellschaft droht zu verrohen. Der Zeitgeist ist hammerhart und unerbittlich. Dabei tragen längst nicht nur die Migranten die Schuld.

Ja, es stimmt. Auch ich verstehe vieles nicht und bin auch nicht mit der Migrationspolitik einverstanden. Ich kann auch nicht verstehen, warum Menschen ihr Land verlassen, obwohl sie es lieben. Ich kann nicht verstehen warum Menschen auf fremden Boden gegen ein Regime demonstrieren und dabei unsere Polizei angreifen. Und, ich kann nicht verstehen, warum Menschen aus faschistischen oder religiösen Gründen andere umbringen oder verletzen. Wenn ich Schutz suche, darf ich nicht die helfende Hand mit dem Messer attackieren. Tatsächlich läuft hier etwas schief! Ich glaube, es gibt jedoch nicht die eine alles entscheidende Antwort und Lösung auf all‘ diese Fragen und Probleme.

Die entscheidende Frage lautet: Wo bleiben die Vernunft und die Empathie? Wo bleibt das Miteinander? Wir müssen wieder lernen, einander zuzuhören, unterschiedliche Meinungen auszuhalten und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Nicht jede andere Meinung macht jemanden zum Feind. Nur mit Respekt, Mitgefühl und dem Willen zum Dialog kann eine Gesellschaft zusammenhalten. Unsere Zukunft entscheidet sich nicht daran, wie laut wir gegeneinander sind, sondern wie gut wir wieder miteinander reden können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert