Bereits im 19 Jahrhundert machte das Sprichwort: „Drei Deutsche – ein Verein“ die Runde! Tatsächlich müssen es jedoch mindestens sieben Personen sein, die einen Verein gründen können. Dieses funktioniert in der Regel mit einer notariell beglaubigten Anmeldung bei einem Registergericht. Ein eingetragener Verein führt die Abkürzung „e.V.“ Zur Vereinsgründung gehört auch die Wahl eines Vorstands und die Festlegung einer Satzung. Interessengruppen, Freizeit- oder Hobbyclubs oder auch Parteien sind eigentlich keine „echten“ Vereine.

Vereinsbuch: Ziegenverein

Das Saarland ist bekannt für seine „Vereinsmeierei“. In unserem kleinen Ländchen ist die Mitgliedschaft im Verein unglaublich wichtig. Fast die Hälfte aller Deutschen sind Mitglied in einem Verein. Die Mehrheit ist in einem Sportverein engagiert oder aktiv in der ortsansässigen „Freiwillige Feuerwehr“. Auch die Mitgliedschaft und das Engagement in einer Kirche stehen ganz oben auf der Liste. Ein Verein ist nichts anderes als ein freiwilliger Zusammenschluss von Gleichgesinnten, die ein gemeinsames Ziel verfolgen. Für viele Mitmenschen hingegen ist die Mitgliedschaft in einem Verein keine Alternative. Manche werden auf der Suche nach einer passenden Freizeitbeschäftigung nicht fündig und treten sogenannten nicht-eingetragenen Verein oder Clubs als Mitglied bei. Die Gründung oder Mitgliedschaft in einem Hobby- oder Freizeitclub wird weitaus einfacher und lockerer angesehen.  Freizeitgestaltungen gibt es zu genüge! Während sich früher noch alles um „König Fußball“ und den Schützenverein drehte, finden heute immer mehr Menschen eine Freizeitalternative in Randsportarten oder Hobbyclubs mit oft fragwürdigem Sinn oder Unsinn.

FFW Löschbezirk Dirmingen

Obwohl das Saarland immer noch zu den Bundesländern mit den meisten Vereinen gehört, ist in den letzten Jahren ein leichter Abwärtstrend zu erkennen. Die Gründe dafür liegen auch im Ehrenamt. Immer weniger Menschen haben ein Interesse sich ehrenamtlich zu engagieren. Als Resultat werden kleinere Vereine und damit auch ihre Vereinsheime geschlossen. Wenn die Menschen vor Ort keine Anlaufstelle finden, um über ihren Verein oder Club zu reden oder zu diskutieren, wird es schwer sein einen Verein am Leben zu erhalten. Vereine leben von Aktivitäten und regem Austausch. Ein Verein, der sich nicht bewegt, wird früher oder später den Bach runter gehen. Das Saarland ist ein „Ehrenamtsland“ dies hat mittlerweile auch unsere Regierung erkannt und frühzeitig verlockende Angebote für engagierte Menschen gemacht. Die „Ehrenamtsbörse“, „Ehrenamtskarte“ oder die Organisation „Pro Ehrenamt“ sind wichtig und sollen die Menschen an der Basis heben.

DJK Dirmingen

Soweit so gut! Die Menschen lieben ihren Verein und das damit verbundene Ehrenamt noch immer. Ein bisschen Verlust ist einkalkuliert und manchmal muss es bergab gehen bevor es wieder nach oben gehen kann. Schon früher hatten die Menschen mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. In Dirmingen gab es nach schon im frühen 20. Jahrhundert bis nach dem zweiten Weltkrieg eine Vielzahl von Vereinsgründungen. In unserer Heimat wurden schon vor dem ersten Weltkrieg Gesangsvereine, Kirchenchöre, ein Bauernverein und ein Obst und Gartenbaumverein sowie ein Ziegenverein gegründet. Zwischen dem ersten und zweiten Weltkrieg wurden zudem zahlreiche kirchlichen Vereine gegründet. Die Menschen suchten schon damals händeringend eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Gerade in der katholischen Kirche wurden sind im Laufe des 19. Jahrhunderts zahlreiche Verbände und Gruppen entstanden. Die sogenannte „Katholische Bewegung“ sorgte für eine Vielzahl von Neugründungen. Meistens handelte es sich um freie Gruppierungen, in denen sich katholische Männer und Frauen zusammentaten, um ihre Ziele gemeinsam zu verfolgen und umzusetzen. Die katholischen Verbände widmeten sich in der Regel sozialen, karitativen, gesellschaftlichen oder pastoralen Aufgaben. Auch in Dirmingen war diese Entwicklung zu beobachten. Vor dem zweiten Weltkrieg wurden z.B der Caritasverband, DJK, eine „Katholische Frauengemeinschaft“, die „Kolpingfamilie“, die Pfadfinder und sogar ein „Dirminger Bergmannsverein“ gegründet.

Borussia Schuhhannesse

Nach den beiden Weltkriegen hatten die Menschen zunächst andere Probleme. In den 1960ger und 1970ger Jahren kamen die sogenannten Hobby -und Freizeitclubs in Mode. Der Sinn dieser Vereine war nicht immer gleich ersichtlich. In vielen Fällen handelte es sich um reine Gaudi-Clubs, die gerne Feiern und Geselligkeit pflegen. In der Regel beteiligten sich diese Clubs aktiv am Ortsgeschehen und waren gerade auch für die einheimische Gastronomie von enormer Bedeutung. Auch die ortsansässige „Schäfer Brauerei“ dürften ihre wahre Freude an den Hobby -und Freizeit -Clubs aus Dirmingen gehabt haben. Viele Dirminger erinnern sich noch heute sehr gerne an Clubs wie. Z.B den „Pustalozzi Stift“, „CC Uschäkes“, „LSC Sauerstoffmangel“, „Schoges-Club“ oder den „FCS Stammtisch“. Dazu kamen noch einige Sporttreibende Clubs die sich mit Kegeln, Fußball oder Handball beschäftigten. Die Hobby – und Gaudi-Clubs pflegten den Spaß an der Sache.  

Pustalozzi-Stift

Der „Pustalozzi Stift“ dient hier als passendes Beispiel. Der „Stift“ wurde am Pfingstmontag des Jahres 1971, im Gasthaus“ Braustüb’l gegründet. Im Wesentlichen ging es auch diesem Hobby-Club um die eigene Kameradschaftspflege und um die Geselligkeit. Die Gründungsmitglieder des „Pusztalozzi-Stiftes“ kamen allesamt aus Dirmingen. Der Pusztalozzi-Stift erhielt im Jahre 1972 einen weiteren Zusatz im Namen. Die Bezeichnung n.e.S (nicht eingetragener Stift) wurde aus „zweifelhaft“ rechtlichen Gründen angehängt. Der Pusztalozzi-Stift wurde im Laufe der Jahre immer größer und beteiligte sich rege am Ortsgeschehen. Neben der Teilnahme am Dorfturnier des SV Dirmingen nahm der Club auch an der jährlichen Veranstaltung „Unser Dorf spielt Handball“ des TV 04 Dirmingen teil. Im Rahmen dieses Turnieres entstand das eingefügte Foto mit dem damaligen Handballnationalspieler Joachim “Jo“ Deckarm.

CC Uschäkes 06

An dieser Stelle erinnere ich auch gerne an den „CC Uschäkes 06“. Die „Uschäkese“ wurden am 17.06.1975 gegründet. Ursprünglich sollte der „CC Uschäkes 06“ ein Skat Club werden. Die Gründungsmitglieder waren Uwe Henschel, Alfons Baltes, Günther Zurek, Harald Wagner und Dietmar Schäfer. Die eigentliche Namensgebung des Vereins begründet auf den Karfreitag des Jahres 1976. Der „CC Uschäkes 06“ steht für einen reinen Caudi- Club in der Kameradschaft und das Miteinander gepflegt wurden. Der Name „Uschäkes“ resultiert aus den Namen der Mitglieder: „CC“ steht für Chaos Club, „U“ steht für Uwe Henschel,“ Schä“ für Dietmar Schäfer, „K“ für Günter Zureck, „E“ für Harald Wagner und „S“ für Alfons Baltes. Die Ziffer „06“ steht für den Gründungsmonat Juni 1975. Jedes der Gründungsmitglieder findet also einen Teil seines Namens im Vereinsnamen. Im Jahre 1976 erfreut sich der Club großem Zuspruch und die Zahl der Mitglieder steigt auf 11. Im Laufe des Jahres traten Peter Hoffmann, Michael Hinsberger, Olaf Wagner, Volker Klein, Arno Meyer und Markus Bohr dem Club bei. Der CC Uschäkes 06 beteiligte sich aktiv am Dirminger Ortsgeschehen und nahm gleichzeitig an etlichen Veranstaltungen in Dirmingen teil. Egal was gerade angesagt war, der CC Uschäkes war immer am Start. Im Jahr 1977 wurde der Verein durch zwei weitere Mitglieder bereichert. In Konrad Ettinger und Andreas König fand der „Uschäkes“ weitere wichtige Unterstützung. Das legendäre „Uschäkese-Fest“ auf dem Belker ist vielen Dirmingern heute noch in bester Erinnerung.  

FCS Stammtisch Dirmingen

Am Freitag, 15.09.1989 pilgerten mit Thomas Kröner und Andreas König zwei fußballverrückte FC-Anhänger ins Ludwigsparkstadion, um sich die Zweitliga-Begegnung der Saison 1989/90 zwischen dem 1. FC Saarbrücken und dem VFL Osnabrück anzusehen. Die Malstätter waren zu diesem Zeitpunkt Tabellenführer der zweiten Liga und hatten den Aufstieg in die Bundesliga im Visier. Am Ende besiegte der FCS die Gäste aus Osnabrück mit 7 – 1 Toren. Dieses Spiel, am 9.Spieltag der Liga, war zeitgleich auch die Geburtsstunde der FCS-Stammtischrunde Dirmingen. An diesem Abend entstand im Gasthaus „Alte Post“, in Dirmingen, die Idee einen Freundeskreis zu bilden. Auf der Gründungsversammlung einige Tage später wurde sehr schnell klar, dass es weit mehr als ein Freundeskreis geben würde. Die FCS- Stammtsichrunde Dirmingen wurde gegründet und Thomas Kröner zum ersten Vorsitzenden und Andreas König zum Präsidenten des Clubs gewählt. Der Fanclub erreichte verhältnismäßig schnell eine gewisse Popularität. In Spitzenzeiten verfügte der Club über 70 Mitglied. Der Club organisierte legendäre Auswärtsfahrten und Fantreffs. Im Laufe der Zeit gaben sich viele prominente Fußballprofis die Klinken in die Hand. Auf Initiative des Dirminger Fanclubs wurde 1992 ein großes FCS Fantreff in Saarbrücken organisiert. Noch heute, über 25 Jahre danach, profiliert die Saarbrücker Fanszene von diesem damals historischen Treffen. Durch seine aktive Fankultur und die vielen Reisen machte der Club unseren Heimatort in ganz Deutschland bekannt. Die Fahne des FC Stammtisches hing in fast allen Stadien dieser Republik.

Der „Schoges-Club“ Dirmingen hingegen gehört noch heute zu den wohl schillerndsten Gaudi-Clubs. Das Augenmerk des Clubs lag in der tatkräftigen Unterstützung der einheimischen Schäfer Brauerei. Der Club wurde im Jahre 1987 im Gasthaus „Alte Post“ gegründet. Auch hier ging es im Wesentlichen darum, dass Ortsgeschehen mehr oder weniger zu bereichern. Das Feiern und das kameradschaftliche Miteinander sowie der Konsum von gutem „Schäfer Bier“ stand im Vordergrund.

Spaß an der Sache

Auch der „LSC Sauerstoffmangel“ spielte im Dirminger Ortsgeschehen eine gewichtige Rolle. Der Club wurde in den frühen 1980-ger Jahren in Zusammenhang mit seinen sportlichen Aktivitäten gegründet. Aus einer Meldung zu den traditionsreichen Dorfturnieren des TV 04 Dirmingen und des SV Dirmingen wurde ein Hobby- und Freizeitclub, der auf guter und ausgeprägter Kameradschaft basierte. Man könnte an dieser Stelle noch weitere Clubs aufzählen. Spontan fällt mir noch die „Pumuckel Runde“ aus Wustweiler ein, deren Engagement sich bis in unseren Heimatort erstreckte. Viele dieser Clubs haben unser Dorfgeschehen geprägt und bereichert.

Spaß an der Sache

Die Gründung eines Freizeit-Clubs ist keine schlechte Idee. Im Wesentlichen geht es darum, Kontakte zu knüpfen, neue Leute kennen zu lernen, um zusammen einer Leidenschaft zu frönen. Freizeit-Clubs bereichern unsere Gesellschaft und stellen den Spaß am Leben in den Vordergrund. In einer Zeit, in der die Menschen immer mehr Abstand von Vereinen und dem Ehrenamt nehmen, sollten wir uns wieder verstärkt an diese wunderbare Möglichkeit erinnern. Was kann es Schöneres geben, als gemeinsam ein Ziel zu verfolgen. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle wie sinnlos oder schräg die Intension eines Hobby -und Freizeit-Clubs ist. Wichtig ist der Spaß an der Sache!