Bitte lächeln ! – Versunken in alten Bildern

Alte Geschichten und vor allen Dingen historische Aufnahmen haben mich schon immer fasziniert. Manchmal vergesse ich beim Durchwühlen meiner alten Bilder die Zeit. Stundenlang sitze ich vor meiner Sammlung und wundere mich immer wieder über den Lauf der Zeit. Das Leben ist Veränderung und dies wird besonders auf alten Bildern deutlich.  

Wie sah es früher in unserem Heimatort aus und inwieweit hat sich das Dorfbild verändert? Im Laufe der Jahre hat sich mein Sammelwerk an historischen Aufnahmen zu einem großen Schatz entwickelt. Ich besitze viele Bilder aus unserem Dorf und bin ständig auf der suche nach weiteren Schnappschüssen. Besonders spannend sind historische Aufnahmen von Menschen. Wer waren die Leute die früher hier in unserem Dorf lebten? Wichtige Indizien finden wir in alten Niederschriften. Wenn zu der vorhandenen Geschichte nun auch noch Bilder hinzukommen, wird meistens ein Schuh draus.

Heute, geht das mit Hilfe eines Smartphones oder den sozialen Medien ganz leicht. Ein Bildchen hier, ein Selfie dort und zwischendurch machen wir noch einen Schnappschuss unseres Mittagessens. Früher war das anderes! Die erste Fotografie entstand nachweislich im Jahre 1826. Dabei entwickelte sich die Geschichte der Fotografie bis zum Jahr 1840 in einem enormen Tempo. Nicht jeder konnte sich einen Fotographen leisten. Der Besuch bei einem Fotographen war meistens sehr aufwendig und zeitintensiv. Die Menschen wussten, dass ein Bild mit Kind und Kegel für die nächsten Jahre ausreichen mussten. Die meisten Dorfbewohner mussten für ein Familienfoto tief in die Haushaltskasse greifen und das Erinnerungsbild teuer bezahlen. Dabei offenbaren die alten Familienfotos bis heute eine einzigartige Atmosphäre. Jeder von uns hat solche Bilder zuhause rumliegen. Alte Familienfotos sind zwar nicht immer schön, aber für die Familienchronik sehr wertvoll und von großer Bedeutung.

Im Studio mit ernster Mine
Schnappschuss mit Lächeln

Früher kam ein Fototermin in Sachen Ernsthaftigkeit einem Kirchen -oder Amtsbesuch nahe. Ganz oft dauerte es Stunden, bis die Aufnahme endgültig im Kasten war. Die wenigen Amateuraufnahmen, die aus der Situation heraus entstanden sind, wirken hingegen weitaus natürlicher und freundlicher. Genau auf diesen Bildern finden wir kleine Einblicke in den früheren Alltag unseres Dorfes.

Leider kann ich nicht immer so, wie ich gerne möchte. Historische Fotos online zu stellen, ist rechtlich betrachtet problematisch. Die Veröffentlichung alter Bilder ist nur zulässig, wenn hierfür entsprechende urheberrechtliche Nutzungsrechte vorliegen oder die Fotos inzwischen gemeinfrei sind. Allerdings unterscheidet das Recht zwischen Fotos als Werken und bloßen „Knipsbildern“, was sich vor allem darauf auswirkt, wie lange Fotos urheberrechtlich geschützt sind. Wenn auf den Fotos Personen erkennbar sind, so sind auch die Persönlichkeitsrechte der Abgebildeten zu beachten. In der Regel ist die Online-Veröffentlichung nur mit Zustimmung der Abgebildeten zulässig. Nur in wenigen, bestimmten Ausnahmefällen dürfen solche Fotos auch ohne ausdrückliche Zustimmung genutzt werden. Was mach ich also mit meinem Schatz, wenn ich ihn mit niemanden teilen darf?

Vor dem Anwesen mit ernster Mine
Im Dorf mit Lächeln

War früher alles gut! War früher alles besser? Der Glaube an die gute alte Zeit fällt schwer, wenn man sich die ernsten Mienen der Menschen auf den alten Fotos anschaut. Keiner lächelt. Überall ernste Gesichter. Obwohl die meisten Leute bestimmt nett und aufgeschlossene waren, wirken die Aufnahme eher düster und deprimierend. Familienporträts hatten früher den Anspruch anständig, würdevoll und korrekt zu sein. In den wenigsten Fällen waren die Bilder eine authentische Abbildung des alltäglichen Lebens.

Statt einem fröhlichen Lachen und entspannten Gesichtern sieht man auf Fotos aus Urgrossmutters Zeiten meist starre Blicke, steife Körper und anständige Kleidung. Sogar auf Hochzeitsfotos wirken Braut und Bräutigam eher unglücklich. Warum wirkten damals eigentlich alle so furchtbar ernst auf den Bildern?

Ein glückliches Lächeln galt zu dieser Zeit als unschicklich. Nach der damaligen Auffassung der Kirche waren Lippen dazu da, Zähne zu bedecken. Wer sich dennoch mit einem Lächeln im Gesicht fotografieren lassen wollte, musste sich in Geduld üben. Aufgrund der langen Belichtungszeit konnte es mehrere Minuten dauern, ein Foto zu schießen. Ein natürliches Lächeln so lange aufrechtzuhalten, wäre auch heute noch eine echte Herausforderung. Die Fotografen machten damals jeweils nur ein Foto, statt wie heute üblich eine Reihe von Schnappschüssen. Die Wahrscheinlichkeit, ein vernünftiges Bild zu bekommen, stieg also, je ruhiger der Abgelichtete posierte.

Pensionärverein
Schulkinder

Ein wahrhaftig düsteres Kapitel der Geschichte der Fotografie ist die sogenannte Postmortem Fotografie. Die Rede ist von Bildern, die nach dem Tod eines Menschen gemacht wurden. Gerade in der sogenannten Viktorianischen Zeit, also um 1830, waren solche Aufnahmen keine Seltenheit. Irgendwie wurde es zur Sitte den geliebten Menschen nach seinem Tod noch einmal abzulichten. Die Angehörigen wollten eine letzte Erinnerung an das verstorbene Familienmitglied haben. Die Toten wurden dabei so drapiert, dass es aussah, als wären sie noch lebendig. Ganz oft posierten sogar die Geschwister und Eltern mit den Verstorbenen. Echt gruselig!

Gottlob ist mir eine solche Aufnahme noch nicht in die Finger gekommen. Obwohl, so ganz sicher bin ich mir dabei nicht. Ich sehe mir unheimlich gerne alte, historische Aufnahmen an. Dabei sind die Bilder die einfach so, während des Alltags entstanden die Schönsten. Die Menschen wirkten bei den Schnappschüssen viel lockerer und lebendiger als während einer Studioaufnahme. Leider ist die Veröffentlichung eines Bildes immer auch ein Eingriff in das Recht eines anderen Menschen. Man sollte sich also immer vergewissern, ob man ein Bild einfach so hochladen und veröffentlichen kann. Im schlimmsten Fall kann so eine Angelegenheit schon mal sehr teuer sein. Glaubt mir, ich weiß wovon ich rede ! ( Bildquelle: Die Bilder auf dieser Seite wurden uns mit freundlicher Genehmigung der Familie Bock zur Verfügung gestellt)

Hochzeitsgesellschaft
Wirtschaftsgesellschaft

Einweihung altes Denkmal
Keine Ahnung !?!

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