Mensch, dass ist dein Werk!

„Stirbt die Biene, stirbt der Mensch“ Dieses bekannte Zitat wird Albert Einstein zugeschrieben und soll uns Menschen zu mehr Vorsicht im Umgang mit Insekten ermahnen. Wir leben in Zeiten, in denen wir uns mit dem Insektensterben beschäftigen müssen. Tatsächlich kann jeder einzelne von uns selbst testen wie schlecht es um unsere Insekten, Amphibien und Vögel steht. Öffnet eure Fenster und versucht einmal am Vogelgesang zu erkennen, wie viele Sänger noch in eurem direkten Umfeld herumfliegen. Beängstigend!

In der letzten Gemeinderatssitzung beschäftigte sich der Gemeinderat mit einem Antrag zur Einführung eines Nachtverbotes für Mähroboter. Der Antrag wurde mehrheitlich abgelehnt. Man wollte die Menschen nicht noch mehr mit Gesetzen und Vorschriften Geiseln. Vielmehr sollen die Menschen zur Eigenverantwortung ermutigt werden. Schließlich stellte sich der Gemeinderat die Frage: Wer soll dieses Verbot kontrollieren? Natürlich ist eine solche Kontrolle genauso wenig möglich wie bei anderen Straftaten wie zum Beispiel illegale Müllentsorgung oder Verkehrsdelikte. Ein Verbot abzulehnen, nur weil man keine 100 % Kontrolle hat, ist zu kurzgedacht. Als Demokrat hat man jedoch die Aufgabe Mehrheitsentscheidungen anzuerkennen. Von daher haben wir diese Entscheidung zu respektieren.

Aus meiner Sicht der Dinge sind Verbote, Regeln und Gesetzte unverzichtbar. Ohne diese gesetzlichen Grundlagen, ist ein gesellschaftliches Zusammenleben unmöglich. Dabei gibt es in unserem Gesetzbuch sehr viele Gesetze deren Umsetzung wir kaum überprüfen können. Ein öffentlicher Appel der Gemeindeverwaltung ist bestenfalls gut gemeint. Das eigentliche Problem wird damit nicht gelöst. Können wir uns tatsächlich auf die Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger verlassen? Brauchen wir tatsächlich keine Gesetze und Verbote, die unsere Tierwelt schützen?

Die Dirminger Ortsdurchfahrt wurde aufgrund von Kanal arbeiten, im Zusammenhang mit dem Neubau eines Nahversorgers, gesperrt. Viele Menschen fühlten sich daraufhin in ihrer Freiheit beschnitten. Absperrungen wurden weggeräumt und durchfahren, Fußgängerbrücken wurden missbraucht und Feldwege trotz Verbot genutzt. Es sollte eigentlich in der Eigenverantwortung der Menschen liegen Vorgaben einzuhalten. Obwohl es auch in diesem Fall gesetzliche Richtlinien gibt, wurden diese einfach gebrochen und übergangen.

Ausbaden mussten es mal wieder viele Kleintiere, Insekten, Amphibien und die Natur. Die jährliche Krötenwanderung wurde zur Todesfalle ! Uneinsichtige Verkehrsteilnehmer benutzen verbotene Feldwege zur Abkürzung und nahmen somit in Kauf, dass viele Kleintiere wie zum Beispiel Frösche und Kröten überfahren wurden. Die Frankenbach zwischen Dirmingen und Berschweiler wurde zum Amphibien-Friedhof. Menschen berichten, dass sie während ihres Spaziergangs mehrmals wegen anfahrenden Autos zur Seite weichen mussten. Mit Eigenverantwortung hat das nicht viel zu tun.

Was interessieren mich Kleintiere und Insekten, wenn ich rechtzeitig meinen Termin einhalten muss. Jeglicher Appel zur Vernunft und Mitarbeit ist vergeblich. Der Mensch neigt in seinem Leben zum Egoismus. In Zeiten absoluter Verrohung und mangelnder Empathie herrscht Egoismus, Rechthaberei und Unverständnis. Achtsame Mitbürgerinnen und Mitbürger, die auf das Recht hinweisen möchten, werden verunglimpft und beschimpft. Schuld ist nicht das eigene Verhalten sondern die völlig überzogene Straßensperrung in der Ortsmitte. Wie kann man so eine Baustelle einrichten, wenn ich doch meine Verpflichtungen einzuhalten habe. Klar ! Verbote und Gesetzte können niemals zu 100% kontrolliert werden. Gemeinschaftliches Leben verlangt jedoch nach Richtlinien, Gesetzen und Regeln.

Insekten, Igel, Amphibien und Frösche haben keinen Anwalt. Wenn wir keine Gesetze und Vorgaben zum Schutz dieser Kleintiere möchten, riskieren wir, dass es unserer Welt bald noch schlechter geht. Appelle zur Vernunft wirken in diesem Zusammenhang tatsächlich scheinheilig. Am Ende bleibt dem Menschen bestenfalls ein schlechtes Gewissen mit der Einsicht: Mensch, dass ist dein Werk!

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