Dieser Blogeintrag ist längst überfällig und müsste eigentlich schon längst online sein. Oft werde ich gefragt woher ich die ganzen Informationen, Geschichten und alte Bilder aus unserem Dorf habe. In diesem Fall bleibe ich keine Antwort schuldig: „…von Hermann Bock“.

In vielen kleineren Ortschaften oder Dörfern gab es schon im vorigen Jahrhundert Heimatforscher. Ganz oft bekleidete dieses Amt ein pensionierter Lehrer oder ein Pfarrer. Trotz ihrer gemeinnützigen Aktivitäten wurden Heimatforscher sehr oft belächelt. Früher interessierten sich die Menschen vor allen Dingen für das Leben von Kaisern, Königen, Fürsten oder Päpsten. Hingegen blieben die Chroniken der Heimatforscher oftmals jahrelang ungeachtet. Die Entwicklung unserer sozialen Strukturen sorgte letztlich dafür, dass Heimatforschung plötzlich interessant wurde. Die großen Archive der Bibliotheken der Höfe und Universitäten besaßen vor der Bildung von Gemeindestrukturen auf dem Land nicht genügend Informationen. In der Not griff man erstmals auf die Chroniken und Auflistungen von Heimatforschern zurück. Während meiner Arbeit als Heimatforscher habe ich mir schon oft die Frage gestellt, wann und in welchem Zusammenhang denn eigentlich was Wörtchen Heimat entstand? Unmittelbar nach dem 30-jährigen Krieg hatte das Wörtchen kaum eine gewichtige Bedeutung. Noch im 18. Jahrhundert verstand man unter dem Begriff Heimat das eigene Heim oder Haus, in dem man in der Regel sein ganzes Leben verbrachte. Mit der industriellen Entwicklung im 19. Jahrhundert setzte sich der Begriff Heimat vermehrt in unserem Denken fest. Die Menschen schafften sich eine Beziehung zu dem Ort, in dem sie lebten, arbeiteten und eine Familie gründeten.  

Mit der Gründung des deutschen Heimatreiches im Jahre 1871 gründeten die vorhandenen politischen Machtverhältnisse ihren eigenen neuen Heimatbegriff. Unser Land wurde fortan als Heimatland verstanden. Bei den Menschen entstand erstmals eine Identifikation mit dem Land, in dem sie lebten. Nationalstolz und Ehre führten schließlich auch zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Dieses schwarze Kapitel ist jedoch eine ganz andere Geschichte. Klar ist jedoch, dass viele Deutsche in den kommenden Weltkriegen ihre emotionale Bindung zum Heimatland missbrauchten. Heute droht diese Gefahr erneut! Viele Mitmenschen haben längst ihre Wurzeln vergessen oder leben sie gar nicht oder eher falsch aus. Merke: Der Begriff Heimat gehört keineswegs zu irgendeiner extremen politischen Form. In den 1950-ger Jahren entstanden wieder vermehrt Heimatfilme und Heimatlieder. Die Zeit der Scharm war vorbei und die Menschen lernten wieder ihre Herkunft lieben. Gerade zu dieser Zeit bekamen Heimatforscher maßgeblich Rückenwind. Chroniken wurden aufgelistet und Geschichten festgehalten und auf Papier gebracht.

Eigentlich verfügt jedes Dorf über einen oder mehrere Heimatforscher, die an der Geschichte ihres Ortes interessiert sind.  Die Grundlage der Heimatforschung unseres Dorfes wurde unter anderem von Hermann Bock gelegt. Ohne seine wertvolle Vorarbeit und seine detaillierten Auflistungen und Sammlungen wäre die Dirminger Heimatforschung um einiges ärmer. Hermann Bock hat vieles gesammelt, fotografiert und zusammengetragen. Die Sammlung von Hermann Bock ist ein Segen und hilft uns zu verstehen was früher alles geschah und wie unsere Vorfahren dachten, wirkten und lebten. Selbst das Kulturamt Eppelborn und das Staatsarchiv Saarbrücken greift auf die große Sammlung, des Dirmingers zurück. Schon zweimal besuchte ich das Staatsarchiv in Saarbrücken und staunte immer wieder darüber wieviel unsere Vorfahren Otto Gordner, Pfarrer Wilhelm Engel oder auch gerade Hermann Bock zusammengetragen haben. Natürlich gab es in unserem Dorf noch viele andere gute Leute, die sich für die Heimatforschung interessiert haben und Dinge gesammelt und aufgelistet haben. Aus meiner Sicht gehört jedoch die Sammlung von Hermann Bock und Otto Gordner zu den größten und interessantesten Hinterlassenschaften. Vieles was Hermann Bock zusammengetragen hat befindet sich nun in im Besitz meines Kollegen Hans Werner Guthörl und meiner Wenigkeit.

Wenn ich an meine Kinderzeit denke, erinnere ich mich gerne an den großen, ruhigen Mann mit den zurückgekämmten Haaren. Ganz ruhig und besonnen sah ich ihn durch unser Dorf schreiten und Bilder machen. Damals hatte ich mich kaum für den älteren Herrn interessiert. Heute kann ich mir meine Heimatforschung ohne die wertvolle Sammlung von Hermann Bock kaum vorstellen.

Vor einigen Jahren bekamen mein Freund Hans-Werner Guthörl und ich eine Vielzahl von alten Bildern geschenkt. Hartmut Bock, ein Sohn, des Dirmingers Hermann Bock übergab uns diese wertvolle Sammlung. Aus dieser Bildersammlung basieren die drei „Heimatlichen Bilderabende“ die am Ende zu wertvollen Benefizveranstaltungen wurden. Ohne die Bilder von Hermann Bock wäre die Verwirklichung eines Bilderabends kaum möglich gewesen. Das im Jahre 2014 herausgebrachte Heimatbuch “Dirminger Hausnamen – Unser Dorf erzählt aus alter Zeit“ basiert ebenfalls auf einer Idee von Hermann Bock. Hermann Bock war Gründungsmitglied des Heimat -und Verkehrsvereins Dirmingen. Schon sehr früh hat sich der Dirminger mit der Geschichte unseres Heimatortes befasst. Dabei führten seine Forschungen bis in frühe 19 Jahrhundert. Irgendwann reifte in ihm die Idee, sich dem Thema Häusernamen anzunehmen und diesbezüglich Nachforschungen zu machen. In mühevoller Kleinarbeit erfasste er die Herkunft und Bedeutung der Hausnamen und ebnete somit den Weg für das spätere Heimatbuch. Gemeinsam mit seinen Weggefährten Paul Hoffmann und Nikolaus Spaniol dokumentierte er ca. 60 Hausnamen in Dirmingen.

In diesem Jahr kontaktierte mich erneut Hartmut Bock. Wiederum durfte ich mich über eine Vielzahl von Büchern, Dokumenten, Bildern und Auflistungen freuen. Ich bin der Familie Bock für das mir entgegengebrachte Vertrauen sehr dankbar. Als ich mich Zuhause um die Dokumente und Hinterlassenschaften kümmerte, glaubte ich zu träumen. Vor mir lag ein echter historischer Schatz: Niederschriften, Dokumente und Berichte aus dem frühen 19. Jahrhundert mit vielen Bilder, die bis zu den Zeiten des ersten Weltkrieges entstanden. Einen ganzen Abend saß ich wie gebannt vor diesem Material und versuchte zu deuten, übersetzen und zu verstehen.

Neben seiner ehrenamtlichen Tätigkeit in der Heimatforschung war Hermann Bock auch eine politische Größe. Nachdem die Gebiet- und Verwaltungsreform im Jahre 1973 beschlossen wurde führte Hermann Bock als letzter Bürgermeister der Gemeinde Dirmingen unseren Heimatort in die heutige Gemeinde Eppelborn. Ganz reibungslos verlief dies jedoch damals nicht! Der Dirminger Gemeinderat war mit der Eingliederung in die Gemeinde Eppelborn nur bedingt zufrieden und plädierte zunächst dafür keineswegs zum Landkreis Saarlouis zu gehören. Der damalige Bürgermeister von Dirmingen Hermann Bock und sein Gemeinderat favorisierten im Falle einer Ablehnung die Eingliederung in die Gemeinde Marpingen oder in die Gemeinde Illingen. Viele ältere Zeitgenossen vertreten noch heute die Meinung, dass aufgrund dieses Beschlusses des Dirminger Gemeinderates erste Spannungen zwischen Eppelborn und Dirmingen entstanden. Letztlich geht Hermann Bock als letzter Bürgermeister unseres Heimatdorfs in die Geschichte ein. Hermann Bock liebte unser Heimatort und diente den Menschen in jeder Hinsicht.

Heute verstehe ich die Sammlung von Hermann Bock keineswegs als mein Eigentum, sondern vielmehr als Vermächtnis. Nein diese Sammlung gehört nicht mir, sondern allen Dirmingern. Ich sehe meine Aufgabe allein darin diesen Schatz zu behüten und davon zu berichten. Auch wenn meine Frau sich oft kopfschüttelt die Frage stellt: „Wohin mit dem ganzen Zeug“, hüte ich die Hinterlassenschaft wie einen kleinen Schatz. Wenn ich mir das Vermächtnis von Herman Bock heute so ansehe, gewinne ich immer mehr den Eindruck, dass ich der damit verbundenen Herausforderung nie im Leben gerecht werden kann. Hermann Bock hat den Weg zu meiner ganz persönlichen Heimatforschung geebnet. Ich bin der Familie Bock, insbesondere Hartmut Bock sehr dankbar, dass er mir diesen Schatz überlassen hat.

Seit 2016 arbeite ich an meinem persönlichen Buch. Zurzeit durchlebe ich eine echte Schreibblockade. Mir fehlen die Worte und ich weiß nicht wo ich anfangen und wie ich enden soll. Mit dem Blick auf die Arbeit von Hermann Bock wächst in mir Demut und ein Gefühl der Ohnmacht. Ich glaube ich werde es nie schaffen….

Hermann Bock war Heimatforscher, Vordenker, Vorbild und ein „echta Derminga“

1 thought on “Erinnerungen an einen ECHTEN DERMINGA – Hermann Bock schrieb Dirminger Geschichte

  1. Wenn ich mich recht erinnere,ist das Bild auf Finkenrech anlässlich der Übergabe reines Rasenmähers durch den damaligen Totodiektor Alfred Holzwarth an den Vogelschutzverein entstanden.Auf dem Bild von links nach rechts: Albert Ipfling,1.Kreisbeigeorneter {SPD), Alfred Holzwarth, ich selbst,Unbekannter,Gerhard Wagner,Hermann Bock,Presse,Heinz Wagner,Vorsitzender des Vogelschutzvereins. 1985 wurden Alfred Holzwarth (SPD) und Albert Wagner (CDU) Totodirektoren. Holzwarth war für Umweltschutz und Wagner für den Sport zuständig.

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